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IGNOUS - Buch
 

"25 Jahre IGNOUS -
ein kommunales
Experiment"

 

IM VISIER:

Uli Wirtz - von Mengden
 
Jürgen D. Schirrmacher

Regisseur der Theatertruppe IGNOUS hört auf

Sechzehn erfolgreiche Jahre

Nach 16 Jahren Leitung der Theatertruppe IGNOUS wird Uli Wirtz-von Mengden das Ensemble der Kreisvolkshochschule verlassen und sich künstlerisch neuen Aufgaben stellen.
"Seit 1995 habe ich 13 Inszenierungen gemacht und die IGNOUS-Lyrik-Ambulanz erfunden, jetzt ist es an der Zeit, mich wieder den staatlichen Bühnen und der professionellen Freien Szene zu zuwenden", begründet der gelernte Schauspieler und Theaterpädagoge. Es sei eine spannende und lehrreiche Zeit gewesen, fasst Wirtz-von Mengden seine Erfahrungen im Amateurbereich zusammen. Sowohl die Volkshochschule wie auch die Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg hätten stets im Rahmen ihrer Möglichkeiten finanziell wie auch logistisch großzügige Unterstützung gewährt.
"Obwohl wir es dem Publikum gewiss nicht immer leicht gemacht haben, durften wir uns über große Resonanz und wohlmeinende Begleitung freuen. Unser Gästebuch ist voller Lob und Bewunderung darüber, dass da eigentlich keine ausgebildeten Schauspieler auf der Bühne stehen", freut sich Wirtz-von Mengden, dass seine Ambition, im Amateurbereich anspruchsvolles Theater mit Tiefgang aber auch Unterhaltungswert zu machen, aufgegangen ist.
Honoriert wurde das auch durch die ideelle Förderung aus Verwaltung, Politik und Repräsentanten des öffentlichen Lebens. Dass die Inszenierungen ebenso jenseits der lokalen Grenzen Erfolg haben konnten, zeigte sich bei Gastspielen in England, Berlin, Hildesheim, Volxheim oder Frankfurt.

Patrick Twinem, Uli Wirtz-von Mengden (Das Mündel will Vormund sein)


Talentierte Darsteller

"Ich habe in meiner Zeit bei der Volkshochschule mit mehr als 60 verschiedenen Kursteilnehmern zusammen gearbeitet, wobei mir rund ein Dutzend Darsteller über Jahre treu geblieben sind und bis zuletzt den IGNOUS-Kern bildeten. Das sind fleißige, wagemutige und talentierte Menschen, die sich neben Beruf und Familie zeitlich enorm engagierten. Künstlerisch haben sich alle weiterentwickelt und sich beachtliches Handwerkszeug für die Bühne angeeignet. Ohne große Sorgen haben zu müssen, konnte ich ihnen sogar bei meiner Abschluss-Inszenierung "King Kongs Töchter" von Theresia Walser Rollen anvertrauen, die nur über schauspielerische Leistungen, ohne allzu große inszenatorische Hilfsmittel funktionierten", ist Wirtz-von Mengden voll des Lobes.



Ensemble Kleinbürgerhochzeit



Arbeitsbedingungen

Natürlich hätten Volkshochschule und Gemeinde nicht die Möglichkeiten eines professionellen Theaterbetriebes, aber man habe IGNOUS immer machen lassen und dadurch die Freiheit der Kunst gewährt. Eigene Bearbeitungen von Stücken der Weltliteratur oder themenbezogene Projekte hätten sich dadurch realisiert. Unter anderem kamen Stücke von Shakespeare, Büchner, Handke oder Aristophanes auf die Bühne. Beim "Heimatabend 2001- Made in Germania" reiste IGNOUS mitsamt Publikum in einer multimedialen Performance per Bus kreuz und quer durch die Mainspitze. Ästhetisch wie inhaltlich bot IGNOUS stets gewagte und überraschende Aufführungen, die in den letzten Jahren meist ausverkauft waren.
Dass sich in der jüngeren Vergangenheit die Gemeinde stärker als Förderin des Kinos und der Kleinkunst verstand, erkläre sich möglicherweise aus dem Umstand, dass IGNOUS unter der Leitung von Wirtz-von Mengden stets eine subversive Truppe war, weder als Verein organisiert, noch künstlerisch irgendwie greifbar. "Vor allem in den Endphasen unserer Proben waren wir auch unbequeme Partner, denn dann liegen die Nerven blank und die Theaterleute verlangen, dass alle in ihrem Sinne an einem Strang ziehen", gibt Wirtz-von Mengden Einblick in das Innenleben seiner Truppe.


Leonce und Lena, Gastspiel Volxheim


Bilanz


Theater ist keine reine Unterhaltungskunst. Wer IGNOUS unterstützte, konnte nie wissen, ob da nicht provokante, politisch überspitzte, Wahrnehmungsgewohnheiten hinterfragende oder emotional in die Tiefe drängende Dinge auf die Bühne kamen, erlärt Wirtz-von Mengden. "Wir nehmen dann doch lieber einen Zauberer oder einen Jongleur" hieß es einmal in einer Absage an die Theatertruppe von einer halböffentlichen Institution, die IGNOUS eigentlich für ihr Jubiläum engagiert hatte und kurz vor Realisierung den Mut verlor.



Das kommunale Kino/Einer unserer Spielorte/Vor der Renovierung


Nachfolger


Nachfolger von Wirtz-von Mengden wird der Mainzer Schauspieler Patrick Twinem, der bereits in mehreren IGNOUS-Inszenierungen als Gast mitwirkte und nun Leitung und Regie übernimmt.



Patrick Twinem in Tödliche Tatsachen




IGNOUS, die Theatertruppe der VHS-Mainspitze
 

Uli Wirtz - von Mengden, Theaterpädagoge, Schauspieler und Regisseur
über IGNOUS:


Weg vom absitzbaren Konsumtheater, hin zum spannenden Amateurtheater mit Tiefgang und Unterhaltungswert, könnte das Konzept umschrieben werden, mit dem ich seit 1995 den Theaterkurs IGNOUS leite. Neben der Vermittlung von darstellerischen Grundtechniken und dem Training von Atem, Stimme, Sprache und Körper gehörte zu diesem Kurs von Anfang an die Besonderheit, dass jährlich eine Inszenierung entsteht. Nicht anders war das, als ich im Jahr 1979 selbst als Kursteilnehmer zu IGNOUS stieß. Nach meiner späteren Ausbildung zum Theaterpädagogen und Schauspieler und vielen Engagements in Freien Gruppen und an staatlichen Bühnen, hat mich der damalige Kursleiter Jürgen D. Schirrmacher, Schauspieler und Performance -Künstler autorisiert, seinen Kurs unter dem Namen IGNOUS weiterführen zu dürfen.

Im Mittelpunkt steht immer der Mensch, heißt mein Credo, wenn ich in meinen Inszenierungen dafür Sorge trage, dass meine Amateurdarsteller gefordert, aber nicht überfordert werden. Meine Arbeiten richten sich nach den Bedürfnissen aber auch den Möglichkeiten der Teilnehmer. Einige sind jetzt schon seit Jahren dabei und es gibt erfreuliche Fortschritte. Mit der Erweiterung des darstellerischen Potenzials können wir uns auch immer höheren Anforderungen an die Rollen stellen. Klassiker der Weltliteratur und Eigenproduktionen kommen auf die Bühne.

Die Volkshochschule ist für mich ein Ort, wo ich ungewöhnliche Dinge tun darf, die mir ein Stadt-Theater nie gestatten würde. Und weil meine Darsteller in ihrer überwiegenden Mehrheit unvoreingenommen neugierig auf sich und die gemeinsame Arbeit sind, entsteht ein Ort tiefer Begegnungen. Ein Erfahrungsfeld des gemeinsamen Lernens mit Theater.

Eine derart regional verankerte Kulturarbeit schließt auch mit ein, dass schon oft Vereine oder lokale Begabungen in den Inszenierungen eingebaut waren. Vielleicht entsteht im Miteinander, das natürlich auch unser treues Publikum mit einschließt, sogar etwas, was mein verehrter Meister Joseph Beuys als soziale Plastik bezeichnet hätte.